Nautic Club Austria

RPC 2025

Round Palagruža Cannonball 2025 – Team „Lauter Klabauter“

ein Erfahrungsbericht von unserem Clubmitglied Emil Scherer

Es ist stockdunkel, mitten in der Nacht, Wind mit 20 Knoten pfeift uns durch die Segel und wir kreuzen mit Schlafentzug in die Dunkelheit hinein, auf einen Leuchtturm mitten in der Adria zu. In diesem Moment, in dem einem die Gischt schon unzählige Male eine Ohrfeige gegeben hat und die ersten Blasen auf den Händen vor lauter Schotarbeit beginnen aufzureißen, würden sich so manche fragen, ob das die sinnvollste Art ist, seine Freizeit zu verbringen. Doch genau in diesem Moment hätte niemand von uns woanders sein wollen.

Aber beginnen wir von vorne: Mein NCA-Clubkollege Markus Schenkeli und ich saßen vor knapp einem Jahr nach einem gemeinsamen Basketballtraining mit einem Bier in der Hand zusammen und sprachen über seine Erlebnisse der Round Palagruža Cannonball (RPC) 2024. Gepackt von den Geschichten und den harten Bedingungen des Vorjahres steckte mich seine Leidenschaft an. Da er nach mittlerweile mehrfacher Teilnahme nun selbst als Skipper das Team „Lauter Klabauter“ in die RPC’25 führen würde und noch Crewmitglieder gesucht wurden, hatte sich bald der Gedanke in mir verfestigt, bei ihm anzuheuern.

Obwohl ich eigentlich meistens mit Jollen wie ILCA7 (vormals Laser Standard) und Starboot unterwegs bin, war mir die RPC und ihr berüchtigter Kurs um den Felsen in der Adria von anderen Teilnehmern aus dem NCA-Kreis bekannt. Dennoch bedeutete für mich der Bootswechsel auf eine First 45 nicht nur eine Umstellung des Schiffs, sondern auch eine drastische Änderung des mir gewohnten Regattaformats, mit einer prognostizierten Dauer der Wettfahrt von 3–4 Tagen. Somit war die Entscheidung gefallen, mich dem Abenteuer zu stellen.

Zusätzlich konnte ich noch mit Max Fitzinger (UYCNf) einen guten Segelkollegen aus Laserzeiten akquirieren, womit unser Team vollständig war: Skipper Markus Schenkeli, Co-Skipper Mario Müller, Christian Gruber, Christian Heiling, Karel Slijkhuis, Max und ich. Nach ersten Treffen der gesamten Crew und einem gemeinsamen Kennenlernen verstanden wir uns alle sehr gut – uns war klar dass eine geniale Zeit vor uns lag. Ganz nach dem Leitsatz unseres Skipper: Crew – Sicherheit – Abenteuer!

Des Weiteren konnten wir Skills aus vielen verschiedenen Bereichen vereinen. Von Wetterrouting über Bootshandling bis hin zu Feldtaktik und Trimm war alles abgedeckt.

Nach den üblichen Vorbereitungen in der Heimat kam die RPC immer schneller auf uns zu. Die Anreise erfolgte getrennt, wobei Markus, Mario und beide Christians bereits am Freitag in der Marina Kaštela eine Bestandsaufnahme machen konnten. Tags darauf zu Mittag stießen dann Max und ich dazu, und Sonntag ganz in der Früh war dann mit Karel die Crew vollständig an Bord. Das Wochenende wurde noch genutzt, um Feinheiten am Boot auf uns abzustimmen und essenzielle Bootsdaten zu sammeln.

Der nächste Tag konnte für unser Team jedoch noch vor dem Start der Regatta kaum schlechter beginnen: Karel konnte nicht mitfahren. Sein Gesundheitszustand hatte sich über Nacht leider so verschlechtert, dass das Risiko, im Laufe der nächsten Tage komplett außer Gefecht zu sein und uns dabei auch noch anzustecken, zu groß war. Es blieb uns nichts anderes übrig, als diesen schweren Rückschlag noch vor dem Startsignal hinzunehmen und unsere Wach-Rotation, um einen Mann gekürzt, anzupassen.

Der Start kam immer näher, und um uns noch einsegeln zu können, verließen wir zeitnah die Marina. Bei herrlicher Sea-Breeze war es dann um 13:00 soweit und mit dem traditionellen „Hasenstart“ wurde die Regatta in der Bucht von Kaštela eröffnet. Der Start war geglückt und ab ging es raus aus der Bucht auf die Kreuz in Richtung erste Bahnmarke Stipanska/Šolta. Der gute Bootsspeed der Trainingstage hatte sich wieder eingestellt, während wir alle auf der Kante saßen, um das Maximum herauszuholen.

Einzig eine taktische Fehleinschätzung, bei der wir uns von Booten der Salona-Klasse beeinflussen ließen, führte dazu, dass das Feld der First-45-Klasse für uns unbemerkt weiter in Richtung Šolta fuhr, während wir versuchten, mittig zwischen Festland und Šolta konservativ alle Boote abzudecken. Die Sea-Breeze wurde milder, wodurch die Boote auf der Seite von Šolta sie länger nutzen konnten und sich somit uns gegenüber einen kleinen Vorsprung heraussegelten.

Als wir Stipanska passiert hatten, war unser nächster Wegpunkt der Fels Jabuka. Neben seiner spannenden Geologie und Entstehungsgeschichte ist der exponierte Fels auch Heimat für endemische Tier- und Pflanzenarten. Auf dem Halbwind-bis-Raumwind-Schlag nach Jabuka flaute der Wind dann beinahe komplett ab, und wir positionierten uns in Abstimmung mit unserem Wetterrouting eher in Richtung Süden, da die meisten Wettermodelle einen Umschlag der Richtung von Süd prognostizierten. Unglücklicherweise kam dieser nicht, und wir saßen in der Suppe, während die vor uns noch mit dem letzten Druck weiter in Richtung Jabuka geschwemmt wurden. Dazu kam, dass anstelle des Drucks von Süd durch eine Gewitterzelle weiter im Norden jene Boote, die sich weiter nördlich positioniert hatten, vor den südlicheren Booten wieder ins Fahren kamen. Somit hatte sich mittlerweile der geringe Rückstand bei Stipanska zu mehreren Meilen summiert.

Jabuka backbord liegen gelassen, wurde in Richtung des nächsten Gates (zwischen Biševo und Vis) der Spi in der Nacht bei ca. 8 kn Wind gesetzt. Ausläufer der Gewitterzelle überraschten uns, weshalb wir in bald danach jedoch den Spi nach einem Sonnenschuss bergen mussten.

Als der 2. Renntag anbrach, schlief der Wind ein und an einem wunderbaren herbstlichen Morgen standen leider alle Boote still bei totaler Flaute. Innerhalb der ersten Stunden des angebrochenen Tages wurden wir und Boote in unserer Nähe durch den Schwell sogar noch beinahe eine Meile weg von unserem nächsten Zwischenziel getrieben. Am frühen Nachmittag kam dann ein sehr schwacher Wind aus West, der allerdings sehr unbeständig war und immer wieder einbrach. Zu unserem Frust war direkt vor unserer Nase, etwa eine Meile entfernt, eine Windkante, die wir nicht und nicht einholen wollten, während unsere vorausfahrenden Gegner diese nutzten, um ihren Vorsprung uns gegenüber weiter auszubauen.

Trotz frustrierender Position (wir befanden uns nun bei den paar Knoten Wind in einem heißen Kampf um den letzten Platz in der Zwischenwertung) konnten wir die Moral an Bord durch den Verzehr unserer vorbereiteten Mahlzeiten hochhalten. Eine Auswahl wie im Sternelokal erwartete uns im Bordkühlschrank. Vom Hühnercurry über Chili con Carne bis hin zum Gulasch - alles natürlich selbst vorgekocht - hätten sich sogar Jamie Oliver und seine Kollegen etwas abschauen können.

Frisch gestärkt und hinein ins Abendrot konnten wir endlich die Bahnmarke Biševo runden und nahmen Kurs in Richtung Namensgeber der Regatta: Palagruša. Mit anbrechender Nacht die Erlösung: Wind! Nicht ein unzuverlässiges Lüftchen, keine Privatböen. Ein echter Scirocco. Aufbruchsstimmung kam auf. Endlich konnten wir wieder vernünftig segeln!

Auf der Kreuz in Richtung Palagruža konnten wir unsere Taktik nach dem Wetterrouting gestalten und versuchten, nahe an der imaginären Grenze des Fahrtenbereichs zu bleiben, die wir gemäß der Vorgabe der Regattaleitung nicht überqueren durften. Für alle Schlafenden hieß das ein wiederholtes Rollen in der Kabine nach jeder Wende. Ich glaube, jeder von uns konnte damit leben, da wir förmlich spüren konnten, wie wir Meter gutmachen konnten. Zu späterer Stunde frischte der Wind weiter auf bis zu etwa 20 Knoten auf. Vorausfahrende Boote kamen wieder näher, einige konnten wir schon früh in der Nacht ein- und überholen. Wir lechzten nach allen, die in Sichtweite kamen.

Die letzten Meilen um Palagruža wurden dann nochmal spannend, da wir einem Boot sukzessive immer näher kommen konnten und in uns der Kampfgeist weiter geweckt wurde. Der Fels, trotz der Dunkelheit mit freiem Auge schon sichtbar, kam näher und erweckte neue Kräfte in uns. Wind, Welle, Blasen an den Händen – alles egal. Hauptsache um diesen Stein in der Mitte der Adria herumfahren – das war jetzt wichtig! Perfektes Abschätzen der Lay-Line ermöglichte eine nahezu perfekte Rundung um die Felsgruppe.

Ab dann ging es das erste Mal wieder in Richtung Festland. Diesmal sollte es eine kleine Insel vor Dubrovnik sein. Für uns bedeutete das über 80 Seemeilen auf einem Am-Wind-Anlieger, auch gerne „Autobahn“ in Seglerkreisen genannt. Da dieser Schlag etwas weniger anspruchsvoll als die Vorherigen war und unser Boot gut eingestellt und schneidig durchs Wasser marschierte, konnten wir mit anbrechendem Tag etwas Schlaf nachholen und unsere hungrigen Mägen füllen.

Die zwei Gegner vor uns kamen mit zunehmender Stunde näher und näher. Eine Bestätigung, dass wir doch schnell segeln können, tat natürlich gut angesichts der Platzierung. Kurz nach der Rundung von Otok Lokrum, der Insel vor Dubrovnik, gelang es uns durch geschicktes Manövrieren durch die Abdeckung nicht nur, auf unsere zwei Gegner aufzuschließen, sondern sie auch schnell nach setzen des Spinnakers zu überholen.

Es war bereits Abend, und der Wind flaute mit der Dämmerung auf 10 Knoten ab, perfekte Bedingungen, um entspannt mit dem Spi wieder in Richtung Norden 120 Meilen zur letzten Inselrundung vor der Zieleinfahrt zu segeln. Eine missglückte Halse, bei der sich der Spi so stark ums Vorstag wickelte, dass wir beinahe den Klettergurt auspacken mussten, sorgte nochmal kurz für eine Schrecksekunde und zwang uns zum Bergen des Spinnakers. Nach kurzer Verschnaufpause ließen wir es uns aber nicht nehmen, ihn wieder zu setzen, um möglichst schnell in Richtung Ziel zu segeln.

Wir hatten aus unseren Fehlern gelernt und uns entschlossen, den Spi vor der nächsten Halse zu bergen und den Schlag auf die ungeschützte Seite von Korčula zunächst mit normaler Besegelung fortzusetzen. Eine Entscheidung, die uns bestimmt einiges an Ärger ersparte, da der Wind in sehr kurzer Zeit wieder auf knapp über 20 Knoten zunahm. Zusätzlich wurde bei diesen Bedingungen die Konzentration am Steuer stark beansprucht, da sich durch den Scirocco eine ordentliche Welle aufgebaut hatte, die unser Heck regelmäßig zu versetzen versuchte.

An Korčula vorbei – es war bereits nach Mitternacht – frischte der Wind nochmals auf und peitschte hoch auf knapp 30 Knoten. Strömungsabrisse am Ruder zu vermeiden, wurde immer schwieriger, und sogar ohne Spinnaker kam es das ein oder andere Mal zu Sonnenschüssen. So fordernd die Bedingungen auch waren – der Bootsspeed konnte sich sehen lassen! Beinahe im Minutentakt knackten wir neue persönliche Geschwindigkeitsrekorde, und 11–12 Knoten waren irgendwann nicht mal mehr erwähnenswert.

Eine Welle, die mir in Erinnerung geblieben ist, konnten wir schön mit Druck im Segel mitnehmen, sodass beim Hinabfahren ins Wellental die See die Bordwand entlang hinaufspritzte, wie ich es sonst nur aus Gleitfahrten von Starkwindtagen im ILCA 7 kenne. Nur als Randnotiz: Auf dieser beschriebenen Welle konnten wir aus unserer First 45 sportliche 14,5 kn Bootsspeed herauskitzeln.

Mit Adrenalin im Blut rauschten wir den Wind hinab in Richtung letzte Inselrundung Otok Veli Drvenik, eine Verkürzung des Kurses, die dem wenigen Wind der ersten eineinhalb Tage geschuldet war. Die Abdeckung der Insel wurde von uns noch geschickt genutzt, um die Segel zu reffen, ging es doch bei über 20 Knoten Wind wieder auf die Kreuz in Richtung Bucht von Kastela.

Die zwei Gegner, die wir Anfang letzter Nacht überholen konnten, waren auf der Kreuz mittlerweile weit abgeschlagen. Somit wurde dieser letzte Schlag nochmal ein richtiger Genuss und wirkte wie eine Belohnung für die letzten 3 Tage am Wasser. Auch die Stimmung an Bord wurde mit jeder Meile, die wir dem Ziel näherkamen, ausgelassener. Vor Split bogen wir ab in Richtung Bucht von Kaštela, womit sich für uns der Rundkurs nun wieder geschlossen hatte.

Auch eine kurze Verwirrung um die Position der Ziellinie konnte geklärt werden, womit wir 70 Stunden und 12 Minuten nach dem Start als 6. von 9 Booten unserer Klasse das Ziel der RPC 2025 erreichen konnten. Teams, die vor uns das Ziel erreicht hatten empfingen uns mit Applaus an der Kaimauer - eine Szene, die den sportlichen Charakter dieser Regatta meiner Meinung nach gut widerspiegelt. Ein gelungener Abschluss der Regatta, der natürlich mit einem Zielgetränk gefeiert werden musste.

Zurück an Land wurden dann die dreieinhalb Tage am Wasser doch spürbar in Form von Landkrankheit. Dieses Gefühl gibt einem, finde ich, die Bestätigung, bei ordentlichen Bedingungen am Wasser gewesen zu sein. Würschtelparty und Bier am Abend gaben uns noch die Möglichkeit zum Austausch mit den anderen Booten und deren Strategien und technischen Umbauten auf deren Booten. Dem Schlafentzug der letzten Tage geschuldet, wurde der Abend jedoch kurz gehalten, und alle waren froh, die Annehmlichkeiten eines Hafens wieder nutzen zu können. Fast ungewohnt fühlte sich die Nacht an ohne Wachwechsel. Stören tat es uns dennoch nicht.

Der Freitag wurde genutzt, um alle Umbauten am Boot wieder rückgängig zu machen und das Schiff dem Vercharterer zurückzugeben. Keine (groben) Schäden – kein Problem. Am Nachmittag luden die Veranstalter der RPC zu einem gemeinsamen Essen, bei dem gleichzeitig die Siegerehrung abgehalten wurde. Bei der Ansprache des Veranstalters Ronnie Zeiller verkündete dieser, sich aus der Organisation der RPC zurückzuziehen. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht fiel, wie man in seinen Worten merken konnte. Standing Ovation und tobender Applaus zeigten, wie dankbar wir Teilnehmer dem RPC-Gründer & Urgestein sind.

Die Teilnahme der „Lauter Klabauter“ für die RPC 26 wurde gemäß der Tradition mit einer unterschriebenen Serviette direkt vor Ort fixiert. Markus Schenkeli, Mario Müller, Christian Gruber und die Verstärkung vom NCA, Christian Muschik, sind schon motiviert!

Ein großes Danke an die Veranstalter rund um Ronnie Zeiller und natürlich an unseren Skipper Markus, der die Verantwortung des Bootsführers und Koordinators der Crew gerne und großartig übernommen hat. Und Gratulation an alle Teilnehmer dieser grandiosen Veranstaltung sowie natürlich an die Sieger der Wertung in den Klassen „First 45 mit Spi“ und „Salona 46 mit Gennaker“.

Ob ich nächstes Jahr teilnehmen werde, bleibt noch offen, aber eines ist nach dieser Regatta klar: Palagruža, wir werden uns wiedersehen!

Euer Emil (NCA)

 

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