
„Der Druck an der Spitze ist enorm“
Zum Abschluss der Segelbundesliga 2026 am Mondsee blickt das NCA-Team auf das Wochenende zurück. Warum die Mannschaft nur zu dritt antrat, was ein Ausflugsschiff mit der Regatta zu tun hatte und weshalb ein fünfter Platz auch beruhigend sein kann, erklären Christian, Felix und Luis im Gespräch.
Frage: Ihr seid diesmal nur zu dritt angereist. Was war da los?
Christian: Mischa war bereits verletzt, und dann ist kurzfristig auch noch Philipp ausgefallen. Einen Ersatz konnten wir auf die Schnelle nicht auftreiben.
Felix: Das war natürlich nicht die Besetzung, die wir uns für das Finale gewünscht hatten.
Luis: Wir hatten immerhin Tick, Trick, Track und Blondl dabei.
Frage: Vier Ersatzleute?
Luis: Fast. Das sind die Roboterbojen des NCA.
Frage: Wie habt ihr die fehlende vierte Person an Bord kompensiert?
Christian: Wir mussten beim Training die Aufgaben neu verteilen und uns an andere Abläufe bei den Manövern gewöhnen. Erstaunlicherweise hat das ziemlich schnell ziemlich gut funktioniert.
Felix: Es war ungewohnt, aber wir haben uns schnell zusammengerauft.
Christian: Und jeder hatte danach ein paar Aufgaben mehr als üblich.
Frage: Und danach konnte die Regatta beginnen?
Luis: Danach konnten wir warten.
Christian: Am Freitag den ganzen Tag. Der Wind war praktisch nicht vorhanden. Weil für Samstag nur früh am Vormittag brauchbarer Wind im Ostteil des Sees prognostiziert war, kündigte die Wettfahrtleitung das Auslaufen für sieben Uhr an.
Frage: Sieben Uhr klingt sportlich.
Felix: Vor allem für Menschen, die den ganzen Tag noch Sport vor sich haben.
Luis: Deshalb war der Abend kurz.
Christian: Als Basis für die Crews, die gerade nicht segelten, wurde ein Ausflugsschiff organisiert. Wir sind am nächsten Morgen bei Nebel über dem Wasser hinausgefahren. Das war schon eine ganz eigene Atmosphäre.
Frage: Hat sich das frühe Aufstehen wenigstens ausgezahlt?
Alle: Ja.
Christian: Der Wind aus Süd bis Südost kam tatsächlich wie vorhergesagt. Das Startschiff wurde im Laufe des Tages verlegt, damit die lokalen Windfelder genutzt werden konnten. So waren fünf vollständige Flights möglich.
Frage: Und für euch persönlich?
Luis: Vier erste und zwei zweite Plätze.
Felix: Waren es wirklich vier erste?
Christian: Ja, Felix.
Felix: Dann war es offenbar recht gut.
Frage: Ihr klingt nicht sonderlich euphorisch.
Felix: Wenn man normalerweise weiter hinten liegt, kann man sich ungestört zurückziehen und Handy spielen. Wenn man plötzlich vorne ist, schauen alle auf einen. Man soll glücklich wirken, sozial sein und auf den Erfolg anstoßen. Der Druck ist enorm.
Luis: Wir haben durch dieses Wochenende außerdem eine wichtige sportliche Erkenntnis gewonnen.
Frage: Welche?
Luis: Auch eine unerwartete Situation kann funktionieren, wenn man sich schnell darauf einstellt.
Christian: Die viele Arbeit an Starts, Taktik und Manövern hat uns dabei sicher geholfen. Dass die neue Aufgabenverteilung so gut funktioniert, hätten wir trotzdem nicht erwartet.
Frage: Seid ihr mit dieser Erkenntnis am Sonntag wieder aufs Wasser gegangen?
Christian: Ja, diesmal aber erst um neun Uhr. Wieder mit dem Ausflugsschiff als mobiler Basis und deutlich ausgeschlafener.
Felix: Zumindest beim Auslaufen.
Frage: Was ist danach passiert?
Luis: Fast durchgehend Druckwind aus Ost. Zu dritt waren wir bei den stärkeren Phasen gewichtsmäßig an der Grenze, aber die Manöver haben trotzdem gut funktioniert.
Christian: Ein Penalty und ein Frühstart brachten uns zwei dritte Plätze. Trotzdem kämpften wir zwischenzeitlich sogar mit dem Burgenländischen Yachtclub um den Sieg. Bis zur letzten Wettfahrt hatten wir gute Chancen auf Platz zwei.
Frage: Bis zur letzten Wettfahrt?
Felix: Frühstart, fünfter Platz. Es fühlte sich wieder daheim an. Back to the roots.
Luis: Punktegleich mit dem Segelclub Mattsee wurden wir damit Dritter.
Frage: Enttäuscht über den verlorenen zweiten Platz oder glücklich über das Stockerl?
Christian: Natürlich hätten wir den zweiten Platz gerne genommen. Aber nach diesem Saisonverlauf ist der dritte Platz ein großartiger Abschluss. Wir haben uns bei jedem Event gesteigert.
Luis: Und mit Gesamtrang sieben unser bisher bestes Saisonergebnis aus dem Jahr xxxx eingestellt.
Felix: Außerdem haben wir jetzt den ganzen Winter Zeit, uns auf die nächste Saison vorzubereiten.
Frage: Was steht dabei an?
Christian: Erholen, Verletzungen auskurieren, Pläne schmieden und dann wieder gemeinsam angreifen.
Luis: Möglichst mit vollständiger Mannschaft.
Felix: Darüber beraten wir in der Winterpause. Beim nächsten Interview wissen wir vielleicht mehr.

Interview: NCA SBL-Team
Fotos: ÖSV / Dominik Matesa
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Und hier gibt's einen Online-Artikel in der Yachtrevue.